Nachlese

Zu Weihnachten habe ich nicht nur diese Decke verschenkt, sondern auch noch eine weitere, hier auf dem Foto erkennbar. Mein Patenkind hatte sich die Stoffe bei Stoff und Stil selbst ausgesucht und ich habe dann nach Vorgabe genäht. Mein Gefluche über die Schwierigkeiten bei der Herstellung nehme ich zurück: Die Decken sind ein voller Erfolg. Sie werden mit Hingabe genutzt, als weich und gemütlich gelobt und niemand, wirklich niemand achtet auf Falten und Dellen. Ich glaube weiterhin, dass man in solche Decken ein Stück Liebe mit hinein näht, und da springt der Funke dann über, egal, wie sauber die Ausführung ist.

Weniger Erfolg hatte ich mit einem anderen Selbermach-Geschenk: Der von mir weiterhin als genial eingestuften Ladestation von Griselda fehlte es an der nötigen Wertschätzung.

Auf den letzten Drücker hatte ich es gerade noch geschafft, eine Version für den Ehemann herzustellen – damit das Ladekabel nicht mehr zwischen Toaster und Bratpfanne hin- und her schaukeln muss. Mangels der von Griselda genannten Zutaten schnitt ich ein altes Spültuch als Versteifung zurecht.

 

Die Idee hatte ich von hier – Danke dafür an Birikini!  (Die Stoffkästen sind auch nachahmenswert).

Na, was soll ich sagen, die Weihnachtsgemeinschaft reagierte unenthusiastisch. „Früher gab es solche gestrickten Mäntelchen mit Knöpfen für Streichholzschachteln, heute solche Taschen für’s Handy“ kommentierte die ältere Generation trocken. Ich fragte in die Runde, wer denn vielleicht noch Interesse hätte …  und erntete nur halb betretenes Schweigen. Ich kann von Glück sagen, dass mein ursprünglicher Plan, alle mit so einer Tasche zu bedenken, aus Zeitmangel gescheitert war.

Inzwischen habe ich mir selbst mit heißer Nadel noch eine Ladestation genäht. Aus Ungeduld sehr vereinfacht: Ich nähte ein kleines Stück Spültuch wie bei Griselda in ein längliches Rechteck (unten offen lassen!) ein und klappte das Rechteck dann einfach hoch. Oben und an den Seiten ließ ich die so entstandenen zwei Taschen offen – eine fürs Handy und eine fürs Kabel.

 

 

Nicht schön, aber funktionstüchtig.

Weil ich nicht vorhabe,  weitere Ladestationen zu verschenken, stelle ich hier meinen erklärenden Beipackzettel zur Verfügung. Vielleicht hat ja jemand noch Bedarf.

Streichholzschachtelmäntelchen aus Wolle gibt es übrigens heute auch noch – z.B. bei Dawanda!

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12 Kommentare

  1. schade, da hast ja wirklich etwas ignorante verwandte… :/ ich habe welche nach der anleitung von madhatter genäht, da ist der „Körper“ aus Filz. Die sind sehr begeistert aufgenommen worden! (puh, Glück gehabt!) So ein Beipackzettel hat mir aber noch gefehlt… bei Bedarf werde ich nochmal darauf zurückkommen! :)

    Liebe Grüße!

  2. Oh, das ist echt ernüchternd! Ich hab ein bereits fertiges DIY-Geschenk letztendlich doch nicht verschenkt, weil ich sowas nicht erleben wollte.
    Gut, dass du nicht die ganze Verwandschaft mit den Taschen begöückt hast!
    LG Zora

  3. Wenn Geschenke, die man selbst toll findet, geliebt werden, ist es Klasse. Man kann allerdings nicht immer erwarten, das die persönlich Begeisterung sofort auf das zu beschenkende „Opfer“ überspringt. Ich habe eigentlich vorallem Freude an der Freude des anderen. Bei manchen Geschenken überlege ich ziemlich genau, was ich investiere an Zeit. Wenn man mal so echt frustriert wurde, kann einem die Selbermachlust vergehen. Zum Glück passiert das ganz selten.
    Die Ladestationen finde ich persönlich toll, aber bei uns sinnlos, weil wir bis aufs bad nur Steckdosen am Boden haben.
    verschnekte Grüße von Karen

  4. Ich glaube auch, das man in die Decken ein Stück Liebe hinein näht. Es ist so schön zu beobachten, wie ein Decken-Beschenkter sich so in den neuen Quilt hinein kuschelt. Leider habe ich auch schon mit selbst gemachten Geschenken andere Erlebnisse – wie du mit der Ladestation – gemacht. Ich muss mich immer bewusst daran erinnern, damit ich nicht wieder „rein falle“. Nun bekommen nur noch Menschen, die das Wert schätzen können etwas von mir.

  5. Jetzt muss ich zur Ehrenrettung meiner Verwandtschaft schnell sagen, dass ich die Ehrlichkeit eher erfrischend fand. Wir sind ja hier in so einer Nähwelt von Schnickschnack verfangen, dass wir vielleicht gar nicht mehr merken, wie wenig Bedarf andere für solche Gadgets haben. Das ist ja so eine Geschenke-Falle: Man sollte nicht in andere die eigenen Vorlieben hineinprojezieren.
    Die Ladetaschen finde ich übrigens gerade dann geeignet, wenn man – wie bei uns auch – fast nur Steckdosen am Boden hat. Mein Foto zeigt auch so eine Bodensteckdose, gleich neben der Haustür. So kann man das Handy auch nicht so leicht vergessen. Und die Steckdosen über der Küchenarbeitsplatte bleiben frei fürs Kochen und Backen.
    (Ich glaube, bald bin ich reif für einen Besuch bei Frau Hoppenstedt).

  6. Ich musste wirklich schmunzeln bei deiner Erzählung. Das hätte auch meine Verwandtschaft sein können. *lach*
    Wenigstens ist es ehrlich. Ich möchte nicht wissen, wie viele sich den entsprechenden Kommentar beim Geschenke auspacken verkneifen.
    Gottseidank hast du dir die Arbeit nicht für alle gemacht (dann hätte es aber bestimmt auch keiner so offen kommentiert).
    Tatsächlich habe ich dieses, pardon, letztes Jahr auch mit dem Gedanken gespielt, so eine Aufbewahrung zu nähen (und ich werd’s auch noch tun), wir haben so eine Steckdose in der Küche an der ich gelegentlich mein Handy auflade. Leider bin ich nicht so organisiert wie mein Mann, dessen Handyakku wirklich nie ganz leer wird. Im Zweifelsfall zaubert er dann das Ladekabel aus den unendlichen Tiefen seiner Hosentaschen – er würde es also vielleicht auch nicht würdigen, das Geschenk.
    Ich verschenke nur ganz ganz selten selbst Genähtes (auch weil ich zuwenig Zeit dazu finde, zugegebenermaßen). Viele wissen einfach nicht, wieviel Arbeit das macht im Vergleich zum selbst Gekauften – woher auch. Abgesehen vom Problem, den Geschmack und das Bedürfnis zu treffen…
    Das mit den Decken kann ich nur bestätigen. Ich denke, es ist auch einfach schön, etwas kuscheln zu können, was jemand anderes mit Liebe gemacht hat (wie man auf dem Bild ganz schön sieht).

  7. Betretenes Schweigen – naja. Im Gegensatz zu Streichholzschachtelhüllen finde ich die Ladestationen ja außerordentlich praktisch. Schnickschnack-Nähwelt hin oder her, die haben ja nun wirklich eine Funktion. Nachdem hier zu Weihnachten zwei neue Handys eingezogen sind, wollte ich ehrlich gesagt auch noch mindestens zwei nähen – jetzt nähe ich erstmal eine für mich und warte ab, ob Wünsche geäußert werden. Und dann umhäkele ich aus solidarischem Trotz zwei bis drei Streichholzschachteln!

  8. Ich find die Stationen auch wirklich praktisch, du darfst sie bloss nicht waschen wenn du Spültücher verwendet hast, die werden nämlich steinhart :D Kopf hoch, ich hab bestimmt auch etwas verschenkt was demjenigen nicht so toll gefallen hat. Ich mag es irgendwie nicht, wenn man so tut als ob man sich freut, immerhin war deine Familie ehrlich :)

    Liebste Grüße,
    Niki

  9. Na, wenigstens hat das mit der Decke funktioniert- da steckt ja auch viel mehr Arbeit drin als bei den Ladestationen…….

    Und das mit den Geschenken ist so eine Sache- ich habe letztes Jahr auch so eine merkwürdige Erfahrung gemacht. Meine Eltern bekamen Tischsets und benutzen sie nicht. Als ich irgendwann mal nachgefragt habe, meinten sie, dass die doch viel zu schade wären- da sollten keine Flecken drauf kommen. Geringschätzung oder ehrfürchtige Starre- das kommt schlussends auf’s gleiche raus. Das Zeug bleibt in der Schublade.
    Zum Heulen.

    Und Danke für den Beipackzettel, das werde ich bestimmt nutzen.

  10. hab mir grad die Streichholzschachtel-Hüllchen angesehen und konnte mich *plumps* erinnern…man, die hab ich als Kind ja auch gebastelt.
    (Neben Eisenbahnzügen aus Mon-Cherie für die Oma).
    Aber die Streichholzschachtel-Taschentheater haben mir dann doch wieder gut gefallen.
    Ansonsten hat dein Post gut getan, denn ich hab dieses Jahr ein Weihnachtsgeschenk zurückbekommen, per Post und mit Brief dazu, dass das Geschenk eine Zumutung sei, und das hat doch ein wenig weh getan. Ich bin noch ein wenig am Sortieren, denn mir liegt auch eher der robuste Umgang mit „danebenen“ Geschenken: Sagen, und gut isses.
    Und eben nicht so ein „Taschentheater“.

    • Liebe Uschi, diese Geschenkrücksendung ist ja nun wirklich merkwürdig. Selbst bei Nichtgefallen würde man sowas nicht machen. „Offline“ habe ich aber noch mehr Berichte von Leute bekommen, die mit ihren Werken über Weihnachten auch eher Ablehnung erfahren haben. Egal, wie die Abfuhr verpackt ist, es schmerzt doch. Daher nehme ich mir noch viel fester vor: Nichts Selbstgemachtes mehr ohne Aufforderung verschenken.
      Diese Streichholztheater hatte ich gar nicht gesehen, das ist ja wirklich klasse, Danke für den Hinweis!

      • Ich hab mich für eine „weiße Lüge“ entschieden: dieser Brief ,itsamt dem zurückgesendeten Geschenk ist nie bei mir angekommen.
        Ich denke, es tut beiden Seiten gut, wenn man solche Dinge nicht auch noch diskutiert und breitwalzt.
        Und ich werde DOCH weiter selbstgemachtes verschenken.
        Vielleicht ist es das eigentliche Problem, dass wir Dinge nicht dann verschenken, wenn sie uns als Idee für jemanden bestimmten einfach zufallen oder über den Weg laufen sondern in Haufen zu Weihnachten…wenn man die Ideen manchmal mühsam herbeisuchen muss.
        Überspitzt ein „Weil-ich-an-dich-denken-musste“ statt einem „Weil-Weihnachten-ist“-Geschenk…

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