Anna Karenina goes Kolchose…

…oder auch: Fundusnutzung IV. 

Fast hätte ich euch mein neuestes Recyclingprodukt vorenthalten. Zum Glück aber hat Lucy inzwischen im Hinblick auf dekorierte Kleidung den treffenden Satz formuliert:  Der Grat zwischen „gekonnt“ und „ungeschickt selbstgebastelt“ ist ziemlich schmal.

Das trifft mein Problem, und so fühle ich mich nun doch zu einer Veröffentlichung motiviert .

 

In meinem Fall vollzieht sich die Gratwanderung an diesem zusammengefilzten Mantel. Mir war so kalt, ich wollte keinen neuen Wintermantel kaufen und fand durch Zufall bei Karstadt einen halben Meter rot-grau genoppten Wollfleecestrickwalk (?).  Damit verlängerte ich Mantelsaum und Ärmel, was nicht unaufwendig war. Auch um die Erneuerung des Futters kümmerte ich mich liebevoll.  Während des Prozesses war ich mir auch ziemlich sicher, dass das alles einen gute Idee war. Nach dem Fotoshooting für den Blog aber kam die große Ernüchterung. Statt Anna Karenina erblickte ich  Mütterchen Frost. (Hier zeige ich natürlich nur wieder die annehmbaren Fotos, statt das Problem knallhart zu illustrieren) . „Weihnachtsmann“ war denn auch der Kommentar meiner Familie. Man versicherte mir aber, sich meiner auf der Straße noch nicht schämen zu müssen.

Naja, ich werde das Werk erstmal ein bisschen abhängen lassen. (Bei dem Japanrock aus Wolle und dem Rotbuschkleid hat das Liegenlassen und dann Nachbessern  gewirkt, beides ziehe ich nun ganz gern an).

Nebenprodukt der Aktion ist dieser Blätterkragen aus Resten des verfilzten Mantels. Das Band trage ich nun schon ein paar Tage und hoffe, mir noch mehr in der Art herzustellen. (Auf einen Filzstreifen habe ich dachziegelartig Blätter aufgenäht. Vorlage waren die Blätter meiner Geldbäume).

So war dann doch nicht alles umsonst.

(Wohlmeinende Verbesserungsvorschläge sind natürlich  wie immer willkommen).

 

.

 

14 Kommentare

  1. Schwierig, das. Mein erster spontaner Gedanke war: zu lang! Jetzt, nach längerer Betrachtung, finde ich ihn gar nicht mehr zu lang.
    Irgendwie fehlt etwas, aber frag mich bloß nicht, was. Dabei bin ich gar keine Freundin von zuviel Zier. Aber hier könnte es noch ein dünner Streifen weiß-nicht-was ungefähr bei weiß-nicht-wo sein. Oder eine Applikation, oder eine Brosche. Oder einfach rote Knöpfe!
    Ich geh mal in mich, vielleicht fällt mir noch was ein. Ungeschickt selbstgebastelt sieht aber anders aus, glaub mir.
    Allerdings sagt das auch eine, die kürzlich sogar auf der Straße auf ihren „Weihnachtsmantel“ angesprochen wurde (rot mit weißem Kragen, na gut). Tststs. Die Leute heutzutage.

    Und Anna Karenina ist ja auch nicht schlecht. So ein schönes Buch.

    Lieben Gruß
    frifris

  2. Mich erinnert der Mantel mehr an Anna K. und nicht an den Weihnachtsmann. Auf diesen Fotos wirkt er auch sehr individuell, mir persönlich ein Tick zu lang (vielleicht den unteren angesetzten Teil kürzen auf die gleiche Länge der Arm Ansätze?) Manchmal denke ich, das deine Familie nicht immer der optimalste Modeberater für dich ist…

  3. Ich sehe darin auch Anna K. – ist doch sehr mondän, solche Schnitte hatte man in den 20er Jahren. Wirklich, in einem meiner Modebücher sieht man solche in der Taille lockeren Mäntel mit großem aufgestelltem Kragen und breiten Besätzen am Saum und an den Ärmelsäumen. Die Besätze waren damals allerdings aus Affenfell. Ganz eventuell könnte ich mir Knöpfe passend zu dem Wollfleecestrick vorstellen, das muss aber nicht sein.
    (Bei der Überschrift hatte ich schon eine sibirische Oma erwartet…)

    viele Grüße!
    Lucy

  4. loben will ich dirch ERSTENS für die viele arbeit die da sichtlich drin steckt und ZWEITENS würde ich sagen: die besätze kürzen reicht schon aus, sieh sind einfach zu lang, sowohl an den armen als auch unten. dann würde ich noch neue knöpfe nehmen, vielleicht in der farbe der besätze? irgendwie sieht man halt so wie sie jetzt sind den unterschied alt-neu noch sehr.

  5. Tolle Idee, den Mantel weiterzunutzen und zu verändern.
    Mir ist gar nichts zu lang!!Ich würde nur versuchen, eine Verbindung zwischen den beiden Komponenten Mantel und Besatz zu schaffen.
    Wenn der Wollstoff rot/grau ist, vielleicht ein schmales rotes Bändchen am Übergang der beiden Gewebe und rote Knöpfe.
    Ich mach das so oft, dass ich an gekauften Dingen einfach die Knöpfe austausche, weil sie mir zu langweilig sind….

    Viel Freude mit dem warmen Stück wünsch ich dir!

  6. hohoho–hier habe ich aber viel gelacht. Zu familiären Modeberatern, habe ich diesselbe Meinung wie Flo. Meine kennen auch nur 2 Kategorien: 1. sieht aus wie Schlafanzug oder 2. hing bei uns zuhause als Vorhang vor den Fenstern! Beweist null Ahnung von modischen Finessen an unseren kostbaren Körpern.
    Aber konkret zu deinem SantaClausmantelmodell. Ich könnte mir vorstellen den unteren roten Ansatz unten als Zacken oder in weichen Wellen ausklingen zu lassen, eine schmale rote Litze irgendwo montieren und vielleicht den obersten Knopf farblich anpassen? Soviel Frauen hier lesen, soviel Veränderungsideen.
    Sehr gut, übrigens auch das mit dem Affenpelz von Lucy. Das hinzuschreiben, hat schon sowas herrlich Verbotenes. Wie neulich unsere Zigeunerschnitzelaffaire, die ja dann sinnvoll in textiles Verarbeiten mündete.
    lg Carmen

  7. Carmen, immer wenn ich deine Kommentare lese finde ich, du solltest dringend ein Blog anfangen – ich lache nämlich auch immer sehr. Und zum Pelz: Tja, das war vor dem Artenschutzabkommen. Damals gabs aber auch ausgestopfte Paradiesvögel als Hutdeko…

    Ich würde die Besätze am Mantel übrigens nicht kürzen – die Proportionen find ich stimmig so. Aber man kanns ja mal gekürzt feststecken und nochmal vergleichen. Nur den obersten Knopf passend zum Rot auszusuchen find ich eine gute Idee.

  8. Fleece statt Affenpelz, das ist wohl der Fortschritt.
    Vielen Dank für eure Verbesserungsvorschläge.
    – Kürzen unten geht nicht, weil der Mantel meine hosenlosen Beine bedecken und wärmen soll. Das hatte ich vergessen zu erwähnen.
    – Ärmelaufschläge könnte ich weniger gewaltig machen
    – Knöpfe werde ich z.B. mal probeweise umhäkeln, das könnte etwas bringen.
    – auch das mit den Bändchen werde ich mal probieren.
    Sehr gemütlich ist der Mantel als Morgenmantel. Aber heute hatte ich ihn auch schon draußen an, so sibirisch wie es hier ist.

  9. Nein, ich finde auch gar nichts zu lang! Und es wäre wohltuend für mein Auge mal so eine gekleidete schöne Frau durch dieses Zeit laufen zu sehen. ich sehe nur noch einen homogenen Masse in grau-schwarz (ich selbst auch) oder Skiklamotten.Die praktische komponente überwiegt bei den Deutschen eindeutig beim kauf vom Bekleidung. Leider, leider! Tja ich möchte schon mal ne Woche in den Zwanzigern leben, um nur zu schauen.
    Eine Winzigkeit, die die Farben zusammennimmt wie Uschi schrieb,kann man sicher dazu tun. Da würde auch ein einziger anderer Knopf reichen, der dann wie eine Brosche wirkt.
    Trag ihn!
    Hier hängt auch ein scwrazer mantel aus wunderbarer Wolle, viel zu groß, der auf Umarbeitung wartet.Irgendwann.
    Die Fellbesätze waren aber auch aus Karakul und Fuchs und für die weniger Betuchten Kaninchen uund schon gut gemachte Imitatate aus Wolle.
    kareninagrüße von Karen

  10. Also, ich finde den Mantel ganz toll. So wie er ist. Das einzige, was ich vielleicht aendern wuerde, sind die Knoepfe. Wenn du deine Haende zum Waermen in den jeweiligen anderen Aermel schiebst, sieht es aus wie ein schoener Muff. (Dann fehlt wirklich nur noch die Kutsche). Ich stimme kaze bei, dass es eine Augenweide ist, wenn man mal was anderes als H&M sieht. Und wenn’s aussieht wie Anna Karenina, um so besser!

  11. Ich habe jetzt zwei Tage überlegt, was man da noch verbessern könnte, aber ich glaube, die anderen haben es inzwischen schon auf den Punkt gebracht: Die farbigen Besätze brauchen am Mantel selbst noch ein Pendant. Das könnten Knöpfe sein, ein Muff oder ein Anstecker. mOder eine quer getragene Tasche mit einer Klappe aus dem Material :)

    Ansonsten könnte man auch den anderen Weg gehen und den Besatz dem Mantel angleichen, das Weihnachtsrot wegnehmen. Ich hätte die Besätze wahrscheinlich in ein Farbbad getaucht und eventuell bis über die Farbgrenze hinweg abgedunkelt. Der Materialkontrast bei den Besätzen ist allein wohl schon reizvoll genug.

    Meine Hochachtung, wie konsequent du wiederverwertest!

  12. Wenn schon Anna Karenina, dann fehlen doch einfach nur große, rote Knebelverschlüsse, und der Mantel ist perfekt!

    Liebe Grüße
    Silvia

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