Fundusnutzung II: Kleinfilzen, umändern, abwarten

Der Fundus enthält meine Kleidungsstücke aus zwei Jahrzehnten. Ich werfe fast nichts weg.  Inzwischen ist mir auch aufgefallen, dass ich gar keine Kleidung mehr kaufe.  Bald ist es ein Jahr her, dass ich ein neues Stück angeschafft habe. (Schuhe, Strümpfe und Wäsche ausgenommen). Needled hat aus ideologischen Gründen einmal ein ganzes Jahr auf Kleidungskäufe verzichtet. Bei mir hat es sich so ergeben –  in den Geschäften gefällt mir nicht mehr viel und  richtig passen tut es dann auch nicht.  Mag sein, dass diese Verweigerung eine Alterserscheinung ist.  Auch gehen mir schnippische Verkäuferinnen mehr auf die Nerven als früher.

Hier also nun ein paar Beispiele für Versuche, Stücke aus dem Fundus aufleben zu lassen.

Unförmiger Pullover von COS, ließ sich hervorragend kleinfilzen.  Rock von Jake’s, zehn Jahre alt. Verrutscht beim Tragen immer, das muss ich noch verbessern. Stiefelchen uralt, super Qualität von Vabene.

Furchtbar pillende Mohairstrickjacke von P&C – kleingefilzt zu einem festen Walk, passt nun dem Kind. Mottenlöcher sind zusammengefilzt.

Ein Rollkragenpullover, ein Polopullover (beide Esprit), vorn aufgeschnitten. Könnten brauchbare Strickjäckchen werden. (Allerdings – wie soll ich die Schnittkanten sichern und säubern? Mit der Maschine wird sich sofort alles wellen. Am besten wohl innen eine Blende mit der Hand gegennähen?)

Das graue Kleid hatte schwarze Samtpaspeln, eine Taille aus schwarzer Spitze und einen neckisch schrägen Saum – alles habe ich beseitigt und bin nun ganz glücklich mit dem „neuen“ schlichten Stück.

Dieser Faltenrock ist nicht von mir. Er gehörte einer alten Dame, deren Erben nur ein paar Wertsachen mitnahmen – den Rest des Nachlasses musste dann der Vermieter aus der Wohnung holen.  Ein Teil der Kleidung ist vor langer Zeit bei mir gelandet. Der Rock ist eine schöne Qualität aus Schottland. Kann man so etwas wieder tragen?  Ich habe es getan, fühlte mich aber doch mopsig.

Ich hätte noch viel mehr zu zeigen, aber ich denke, die Idee kommt schon rüber.

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14 Kommentare

  1. Wenn du dich im Faltenrock nicht wohlfühlst (auf dem Foto siehst du darin wie eine Filmdiva der 40er aus – Greta Garbo?) – wenn der Rock aus reiner Wolle besteht, kann man die Falten und Säume mit Dampf wahrscheinlich spurlos rausbügeln. Wenn du den auftrennst, hast du eine knapp zwei Meter lange Stoffbahn, daraus lässt sich ja auch etwas anderes nähen (ich hatte mir mit 16 aus dem Faltenrock meiner Mutter eine Karoshorts mit Aufschlägen genäht, die ich mit einer dicken Strumpfhose trug. Mutter war entsetzt, Klassenkameradinnen begeistert.)
    Für das Abschlussproblem bei Strickjacken hab ich noch keine richtig gute Lösung. Eine schmale angesetzte Blende aus Schrägstreifen (aus Webstoff) hab ich ausprobiert, das war kürzlich bei einem Burdaschnitt beschrieben, aber das hat mich nicht so richtig überzeugt, könnte aber auch an meiner Stoffwahl und/oder an meinen Knopflöchern liegen, ist jedenfalls halbfertig und harrt einer Entscheidung. Vielleicht könntest du eine Kante anhäkeln, aus Wolle?
    erstmal viele grüße, muss dringend ins Bett.

  2. Ich finde schon, dass der Rock so getragen gut aussieht. Er macht eine gute, weibliche Figur, finde ich.
    Klasse finde ich die Idee mit den Strickpulis. Sehen als Jacken sicher sehr elegant aus.

    Liebe Grüße
    Angelika

  3. Ich geh auch nicht gerne einkaufen und finde es so frustrierend, wenn ich 22 gleiche Roecke pro Groesse an der Stange haengen sehe. Ist ja hier (USA) nicht anders (nur die Verkaeuferinnen sind netter, die werden naemlich gleich gefeuert, wenn die sich nicht voller Begeisterung auf einen stuerzen und sich freuen, einen bedienen zu duerfen.) Der Schottenrock ist sehr schoen, vor allem gefaellt mir die Kombination mit der kurzen karamellfarbenenen Jacke. Und Wollroecke sind ja so herrlich warm im Winter. Ich finde bei Schottenkaros, kommt’s immer sehr auf’s Styling an, und das ist dir ja super gut gelungen. Bezgl. Strickpullie/jacken: Ich hab auch ein paar Strickjacken, bei denen ein paar Wollpullis dran glauben mussten. Eine ist braun und patent gestrickt, die sich netterweise nicht an den Kanten aufloest. Ich trage die mit einer dicken Blumenbrosche, so dass die Aufmerksamkeit zur Brosche wandert, nicht zu den unversaeumten Kanten. Ich hab auch schon versucht die Kanten zu behaekeln, mit T-Shirt Streifen als Bias Tape zu versehen, aber nichts sah wirklich gut aus. Vielleicht faellt mir (oder dir) noch eine gute Idee ein, denn ich finde, man kann mit einem Schnitt durch die Mitte, fast jedem langweiligen Pulli ein bischen neues Leben einhauchen.
    PS. Ich wuerde ja so so gerne zum Bloggertreffen kommen. Aber ich bin leider erst im Dezember in Berlin….schade.

  4. Vielen Dank fürs Zeigen! Vor ein paar Wochen habe ich eine Jeans bei H&M gekauft. Das fühlte sich ganz ungewohnt an und ein grobes Überschlagen hat ergeben, dass das letzte Kleidungskaufen ewig her sein muss. Ich habe einfach keine Lust auf Kompromisse, auf Kleidungsstücke, die weder richtig passen noch richtig gefallen. Und überhaupt keine Lust habe ich auf den ganzen Mist, den mein Konsum dann auch noch unterstützt…
    Leider komme ich Marlene-sei-Dank ja auch nicht wo wirklich zum Nähen, weshalb es in meiner Kommode sehr leer aussieht… Mia bekommt fast ausschließlich Gebrauchtes zum Anziehen, Marlene Ökiges und/oder Gebrauchtes. Mein Textil-Boykott geht momentan sogar so weit, dass ich auch Stoffe nur noch mit schlechtem Gewissen kaufen kann… Besser ist Recyclen. Man muss ja auch nicht heilig werden, aber es macht ja auch Spaß, Altes zu einem neuen Leben zu erwecken. Wenn man dann mal überhaupt zu etwas kommt…. Jaja, ich hör‘ ja schon auf!
    Liebe Grüße!

  5. Anziehsachen einkaufen ist ja auch eine Qual, wenn man keine Null-Acht-Fünfzehn Figur hat. Meine letzte Hose habe ich mir vor drei Jahren gekauft. Meistens kaufe ich Wollpullis, Jacken und Tshirts. Wollröcke sehen bei Dir immer so schön aus, auch der Karorock. Muss ich mich auch mal ran wagen. Der Blog Needled ist auch schön, danke für s vorstellen. (Wann soll man denn die ganzen schönen Seiten lesen???)

  6. hallo, prima Ideen mit der Fundus-Nähwirtschaft. Da sieht man aber wieder mal das jahrelange Umgehen mit Stoffen, Farben und Moden. Nur so entstehen so stilsichere Ideen beim Wiederaufbereiten. Toll.
    Ich habe garkeine Probleme beim Einkaufen, nur mein Geldbeutel, hach. Gerne mache ich auch Schnäppchen-up-grading. Das ist manches Mal aber dann so aufwändig, wie neugenäht. Aber ich habe meinen Stempel draufgedrückt.
    Ich habe bei Flo erfahren, hier in den Herbstferien wurden Zaubertaschen hergestellt. Das machte mich sehr neugierig und ich bin jetzt begeistert und halte es wirklich für ein gut wirksames Antigrippemittel! Mir geht es nämlich seitdem wieder gesünder. Und nachhaltig ist es auch und reduziert meinen Stofffundus. Naja, vielleicht nur in nachhaltigen Nano- bis Millimetern.
    lg von Carmen

  7. Ich verstehe Deine Unlust etwas ein zukaufen. Es ist mühsam auch wenn man ein bißchen Geld investieren wollte ist es schwer was passendes zu finden. Ich habe auch für mich bemerk, dass ich nicht mehr so viel „brauche“ wie früher.
    Einen Pullover habe ich, den kreativen Internetseiten sei Dank, auch schon gefilzt aber jetzt weis ich nicht was ich damit machen soll, da muß ich mir erst was überlegen.

    Der karorock ist mir an Dir zu damig, sorry.
    Liebe Grüße
    Teresa

  8. Oh, wie ich Einkaufen hasse. Egal ob Lebensmittel, Klamotten oder Technikschnickschnack. Nur Stoffe und Schuhe kaufe ich gern.

    Ich finde beim Refashionieren den sportlichen Gedanken so gut- aus ungeliebten Dingen noch irgendwas zu zaubern.
    Wenn es schief geht, dann hat man ein TfT und entsorgt leichten Herzens, wenn es gut geht ist das ein selten erhebendes Gefühl.
    Vollkommen unbeschwert von horrenden Meterpreisen lässt sich so drauflosexperimentieren. Einfach so.

    Und der Karorock schreit nach Veränderung, so ist er doch etwas madamig. Da steckt so viel schöner Stoff drin!

  9. Mir gefällt das erste Bild in Rot unheimlich gut, das kann ich mir bestens an dir vorstellen. Auch das graue Kleid. Den Rock…? Bin mir unsicher, würde wahrscheinlich eher zum auftrennen neigen. Sind denn deine Schnitte jetzt da?
    LG! C.

  10. Für die Rollkragenpullover wäre vielleicht ein kleiner Rollrand, von Hand festgeheftet, gut. Eventuell könnte man die Ränder noch mit einem leicht kontrastierenden Faden fein umsticken, wie z.B. bei Wolldecken (aber nicht so grob). Ich weiß leider nicht, wie der Stich heißt.
    Gruß
    carya

    • Wunderbar, deine gelungenen und auch deine (noch) nicht so gelungene Beschäftigung mit dem Fundus zu sehen.
      Mottenlöcher wegfilzen- super!
      Das Aufschneiden von Strickpullis ist toll. Könntest du da vorne nicht eine Blende anstricken? Mit ähnlicher oder Kontrastfarbe und mit dünnem Garn (du könntest das vieleicht auch häkeln)
      Ich habe das zu Schulzeiten (als man im gesamten Unterricht strickte) mal gemacht mit einem aufwenidg selbstgestrickten Pulli, der etwas zu eng war. Da habe ich -vor dem Aufschneiden- vorne mittig mit der Nähmaschine nebeneinander zwei pararlelle Gradstich-Nähte (vermutlich nicht mal dehnbar??) genäht, damit sich das Strickwerk nicht auflöst. (Und gewellt hat sich das auch nicht). dann zwischen den beiden Nähten aufgeschnitten und danach Maschen aufgenommen für breite Blenden. Dann passte das Ganze als Jäckchen.

      -Ich finde es immer erleichternd, wenn ich versucht habe aus meinem Fundus etwas Neues zu zaubern- wenn es sich abzeichnet, dass es nichts wird- weg damit- alles mit einem guten, befreienden Gefühl. (was mir sonst immer eher sehr, sehr schwer fällt)

      LG
      Wiebke

  11. Vielen Dank für eure vielen guten Tips! Den Rock lass ich erstmal so, vielleicht finde ich ja noch eine weniger madamige Kombi. Irgendwie kann ich da nicht reinschneiden oder hineinbügeln. Das mit dem Nähen der Pullis VOR dem Aufschneiden ist wirklich ein super Idee, da hätte ich mal dran denken sollen. Jetzt werde ich irgendwas mit der Hand probieren, z.B. den Rollrand, und ggf. anhäkeln.
    Ja, der Textilboykott und das Stoffe u.a. Nähmaterial kaufen, das habe ich auch schon hin- und hergewälzt. Will man wissen, wieso manche Stoffe so ungeheuer günstig sind? Ist es besser, die zu kaufen statt Billigklamotten? Da denke ich gar nicht so gern weiter.
    Vielen Dank für eure Beiträge, das Thema wird dadurch für mich immer weiter erhellt.

  12. Obwpohl ich die Mode zur Zeit wieder sehr trabar finde, sprich – es ist für den Frauenkörper an sich gut kleidbar, scheint es vielen Menschen zur Qual zu werden aus 100 Teilen eines Sortiments wählen zu müssen. Man geht frustriert, weil man seine Vorstellung trotz der Fülle nicht auf anbhieb gefunden hat. Gäbe es nur vier Teile im Laden….ich sehe manchmal die Massen an Klamotten und kann nur denken, kein Mensch braucht diese Fülle. Und beschäftige mich gedanklich mit dem verändern des eigenen Bestandes. hat man doch he mehr, als man wirklich abträgt, wie meinen Oma gesagt hätte. Die Masen in den geschäften sind für auch eindeutig der Grund des Booms der ganzen selbstgefertigten Dinge.
    Deine Vorstellung war sehr schön. Bei größeren Wollpullis kann man vorher auch anfilzen und dann aufschneiden, dann ist der Rand sowieso fest und nix truselt mehr.
    Vor kurzem habe ich noch Wollsachen gesucht für ein Projekt mit Jugendlichen und hatte Schwierigkeiten, weil soviel Kunstfaser unterwegs ist.
    Ich bin auch ein Materialaufheber, aber höchstwahrscheinlich braucht man dafür ein zweites Leben.
    Auf den 48-stunden-tag!
    Aufhebegrüße von Karen

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