Angezogen

„Kleidung gibt Halt, oder gibt eben keinen Halt. “

„Kleidung ist eine ganz wichtige Hülle, mit der man sich in die Welt begibt.“

„Gute Kleidung ist, wenn jemand zeigt, dass er sich um sich kümmert.“

Diese Worte stammen von Smilla, die mit ihrem Blog „anders-anziehen“ gestern fast den Grimme-Preis gewonnen hätte. Die Worte sagt sie bei Frau-TV, wo ihr Blog fälschlicherweise als Fashion-Blog bezeichnet wird. Das ist er nicht, er ist ein Menschen-Blog. Ein besonderes Faible hat sie für ältere Frauen, daher rate ich allen, die mit dem Altwerden hadern, sich dort Mut zu holen.

Ich habe mich zu kümmern versucht, indem ich mir eine haltgebende Sommerhülle in Form eines Leinenkleides genäht habe, die man einfach über den Kopf ziehen kann. Ich habe sehr lange daran herumgebastelt und es mir quasi auf den Leib geschneidert. Den Schnitt hatte ich mit transparenter Bauplane (stärkste Stärke, ein Tip von Lucy, vielen Dank!) und einem Folienstift von einem anderen Kleid abgenommen. Immer, wenn ich von irgendetwas den Schnitt abnehme, wird das neue Kleidungsstück kein Klon sondern etwas ganz anderes. Es kommt bei Schnittführung wohl doch auf Millimeter an.

Ebenso ist es mir bei dieser Hose gegangen. Der Schnitt stammt von einer Pyjamahose, denn das ist die einzige Hose in meinem Schrank, die ich gemütlich finde. Mit einem stretchigen Jeansstoff von Hüco und einem selbstgenähten Gürtel über dem Gummizug sieht sie nicht mehr so sehr aus wie Schlafanzug, ist aber ebenso bequem.

Und endlich einmal hat jemand Schuhe entworfen und dabei genau mich im Sinn gehabt.

Ein heißer Sommer ist für Menschen, die sich ungern nackt fühlen, ja eine ganz schwierige Zeit.

Echt, mit Fehlern, mit Makel, authentisch, das ist das Tolle.

(Auch von Smilla)

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16 Gedanken zu “Angezogen

  1. Tolles Kleid, tolle Hose und schöne Schuhe. Danke für die Idee mit dem Hut, ich komme mir immer ein bisschen blöd vor wenn ich meinen Mann bitte beim Fotografieren den Kopf abzuschneiden, aber der Hut wäre die Lösung.

    Den Blog „anders Anziehen“ kenne ich auch und ich bin auch immer begeistert von den Menschen. Es gibt so wenige gute Vorbilder für „Älter werden“ speziell für Frauen. Fast keine Schauspielerin taugt mehr als Rollmodell (schreibt man das so? die Rechtschreibprüfung hat es vorgeschlagen) weil alle schon irgendwie „verbessert“ wurden.
    Liebe Grüße
    Teresa

    • Teresa, ich muss immer als mit Selbstauslöser machen! Ziemlich schwierig. Ab jetzt werde ich vielleicht eher die Variante mit dem Spiegel wählen. Den Kopf schneide ich mir übrigens meist mit dem Fotoprogramm ab.
      Mir fehlen Rollenmodelle (ich frag lieber nicht die Rechtschreibprüfung) auch.

  2. Du warst aber fleißig! Das Kleid hat das Zeug zum echten Klassiker! ich hätte hier auch noch Leinen liegen….
    Schnitt abnehmen mit Folie fänd ich zu heikel von wegen des Verutschens. das ist Papkpapier eigentlich besser, auch wenn nicht beweglich.
    „anders anziehen“ lese ich auch regelmäßig und es ist das GANZE, was so gut ist. hat ja nur bedingt was mit fashion zu tun, dieses Wort wird dem Projekt gar nicht gerecht. Die oberflächlichen TV-Leute!

    ichwillnichtrausgehengrüße, Karen

    • Die Folie fand ich so gut, weil ich hindurchsehen und alle Nähte/Abnäher etc. gut sehen und mit dem Stift nachfahren konnte. Aber es stimmt schon, es scheint nicht besonders genau zu sein, die beiden Kleider haben kaum Ähnlichkeit.
      Ja, das GANZE ist gut. Will im übrigen auch nicht rausgehen.

  3. Den Hut finde ich sehr schön und passend zum Kleid, sozusagen die Krönung des Stylings.
    Nur warum gebt ihr euch solche Mühe, die Köpfe abzuschneiden?

    Vielleicht macht Smilla mal einen Ausflug nach Berlin und begegnet DIR.

    • Kopf ab, dafür ohne Puschen… ;-)
      Ich versuche, anonym zu bleiben, um mein Umfeld aus dieser exponierten Stellung rauszuhalten (die können ja nichts für meine Geltungssucht).
      Bei der Gelegenheit habe ich gleich das eine Foto noch mehr geköpft.

    • Ich möchte auch anonym bleiben was an sich ein Spagat ist. Wie viel gebe ich preis und was behalte ich doch für mich. Anderseits macht es nur Sinn wenn schon bloggen dann müssen die Beiträge auch verständlich sein also muss ich ein bisschen preisgeben, denn nur Fotos zeigen ohne Hintergrundinformationen macht keinen Sinn. Zum Beispiel Gartenfotos ohne Informationen wo der Garten ist, sind wertlos.
      Aber für mich ist klar der Kopf muss ab.
      Angeblich kann man, wenn man will, mit den gegebenen Informationen schon jede Menge herauslesen. Ich Frage mich immer wer sollte das wollen und warum, aber ich denke da sicher naiv.
      Liebe Grüße
      Teresa

  4. Hallo, ja das sind echt schöne Modefotos geworden. Sowohl für die Modelle, als auch für das Model!
    Die Kleidung sieht bequem und chic aus. Mit dem Ausdruck „leger“ haben wir früher immer unsere Jugend genervt. Muss irgendwie antiquiert klingen, keine Ahnung. Ich finde es treffend.
    Du hast wieder einmal stilsicher und genau für deine Person genäht. Viel Spaß beim Tragen drinnen sowie draußen.
    Carmen

  5. Liebe Suschna, ganz lieben Dank für deine Worte die es ganz gut treffen, und als fashion blog sehe ich mich auch überhaupt nicht…
    So zitiert zu werden ist aucgh mal was besonderes, und rührt mich richtig.
    Danke sehr! Auch an kaze und teresa
    lieben gruß aus köln, smilla

  6. Das wäre mal ein Langzeitprojekt: alle Lieblingsstücke quasi-klonen (dass sie nicht identisch werden, ist evolutionär bedingt – Rekombination der Gene und so), und irgendwann nur noch Lieblingsstücke haben. Deine Sachen sind sehr schön und stimmig geworden, und ich glaube genau richtig für dich.
    Das fällt mir auch zu den Leuten bei anders-anziehen ein: sie sehen stimmig aus, so als wäre bei ihnen Inneres und Außenwirkung deckungsgleich. So stimmig wie die Quilts von Gee’s bend.

    viele Grüße, Lucy (die gestern und heute draußen war, aber nur, weil es nicht anders ging)

  7. Was fuer ein wunderschoenes Kleid (und Model!). Den Schnitt finde ich super und die Stoffwahl und Ausfuehrung perfekt. Ach, und die Schuhe. Der Hut. Wunderbar.
    Ich hab ein Sommerkleidungsproblem und mag es gar nicht, mich in diesen losen Leinensachen der Welt zu praesentieren, die fuer Hitze so adquat waeren. Das Kleid wuerde ich sofort anziehen. Ich habe schonmal ueberlegt mir ein paar eher formelle Kleidungsstuecke aus doppelt gelegtem Jersey zu naehen, so dass sie alle super bequem sind, aber nicht so „flimsy“. Ist aber doch wieder eher was fuer Herbst und Winter. Sigh.
    Toller Post. Liebe Gruesse aus Ithaca.
    Kathrin

  8. Nur mal als Zusatzinfo: Das Kleid hab ich inzwischen eigentlich nicht mehr ausgezogen, ausser manchmal zum Schlafen und zum Waschen. Die Hitzetage habe ich damit super überstanden. Es sieht in Wirklichkeit auch besser aus als auf den Fotos. Jetzt brauche ich noch Zeit und Stoff, um einen weiteren mutierten Klon herzustellen. Langzeitprojekt Lieblingsstücke.

  9. Dieses Kleid ist einfach eine Wucht!! ich komme nun zum x-ten Mal um es mir anzusehen! Ich kann gut verstehen, dass du es nicht mehr ausziehen magst!

    bewundernde Grüße von Ellen

  10. Pingback: Helden der Flickenkiste… | Suschna

  11. Pingback: Sommerkleider selber nähen – MeMadeMittwoch Spezialausgabe | Textile Geschichten

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