Nachmache II und Problem Nr. 17

 

Jetzt mache ich es mir einfach. Ich verweise erst auf Lucy und ihren soeben erschienen Beitrag zu diesem japanischen Rock. Und ich verweise auf Catherine, die den Rock schon längst genäht  und uns freundlicherweise das japanische Nähbuch ausgeliehen hatte.

Links seht ihr nun meine Version des Modells Nr. 17 aus dem Buch, mit diesen Anmerkungen: 

Als Anfänger würde ich mich wohl nicht an den Schnitt trauen. Zum einen hatte ich große Schwierigkeiten, auf dem Schnittbogen die richtigen Teile zu finden. Wegen des Wirrwarrs auf dem Bogen habe ich z.B. statt einer Rocktasche eine Blusenpasse abgepaust und weiß auch bis heute nicht, wie das denn nun mit dem Bund genau gemeint war.  Die Nahtzugaben sind wohl nicht im Schnitt enthalten, aber das musste ich auch mehr raten.

Zum anderen sind die Bildanleitungen ganz niedlich, aber doch recht knapp. Dieses Bild zum Beispiel bedeutet: „Alle Teile aneinander nähen und irgendwie einen Reißverschluss in eine Seite zaubern“: 

Meine Familie hatte mir mit Adleraugen geholfen, alle Schnitteile mit der Nummer 17 auf dem Bogen zu finden. Ich gab beim Zuschneiden rundherum großzügig Stoff für meine Hüften (Kleidergröße 42) dazu und nähte erstmal grob die Rockteile zusammen, probierte an.

„Da hast du ein Problem“  grinste mein Mann, der zufällig vorbeikam.  „Problem Nr. 17“

Ich sah aus wie ein Brauereipferd im Dirndl.

Mit viel Auftrennen und Herumgebastel (vor allem musste ich das trichterförmig abstehende Bündchen zur Raison bringen) habe ich dann doch noch etwas ansatzweise Tragbares daraus gemacht.

Auf dem Foto oben habe ich ein bisschen posiert. In Wirklichkeit sieht der Rock bei mir so aus:

Hundertprozentig bin ich nicht überzeugt. Wie er sich im Alltag bewährt, kann ich erst sagen, wenn doch noch einmal  Sommerrockwetter kommen sollte.

Und sonst? Das Buch finde ich – wie die anderen trendigen Japan-Handarbeitsbücher, die ich habe – sehr schön gemacht. Vor Kurzem habe ich mich mit anderen Nähfrauen ausgetauscht, die den in diesen Büchern präsentierten Stil (Models mit weichgespültem Pippi-Langstumpf-Charme auf nach innen gedrehten Füssen) nicht besonders inspirierend finden. Wir haben überlegt, ob das eine Generationenfrage ist. Eine japanische Freundin sagte mir, diese Bücher seien eigentlich gar nicht japanisch, sondern der Versuch, den westlichen (=exotischen) Stil aufzunehmen. Daher auch die westlich aussehenden Models.

Na, ich werde es in Zukunft wohl eher dabei belassen, die Bücher mit Genuss durchzublättern und mich mit den anderen freuen, die daraus schöne Sachen genäht haben. 

Diese Fußbilder stammen  aus dem Buch mit dem Problem Nr. 17 – nach innen gedrehte waren nicht dabei.

Nachtrag 20.5.10 : Inzwischen hat Floh die Nachmache fortgeführt – incl. Schuhwerk.

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14 Gedanken zu “Nachmache II und Problem Nr. 17

  1. Oh, ihr Fleißgen, die vielen Röcke werden die Sonne ja wohl mal locken! (gerade 8°C eisiger Wind!)
    Du hast es doch aber gut gemeistert und es sieht bequem aus. Taschen am Rock sind eh prima. Das Paßformproblem ist mir auch bekannt. Hüfte und Taille gehören nie zu einer Größe. Dabei sollte das ja der Unterschied zwischen Mann und Frau sein, oder zumindest einer! Die Japanerinnen sehen alle immer sehr schön aus in den Büchern, aber haben alle eine knabenhafte Figur.
    Nun habt ihr mich aber doch verführt, so. Ich bin reif! Werde auch eines Bücher erwerben.
    Lachsfarbene Grüße, Karen

  2. Ha, weichgespülter Pippi-Langstrumpf-Charme finde ich gut, und das obwohl ich doch schon in einem recht gesetzten Alter bin. Hm, vielleicht sollte ich mich langsam der Burda zu wenden.
    Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt-Grüsse von Alllerleirauh

    • So soll es sein! Jeder mache sich die Welt, wie sie grad gefällt – nur bitte bitte sollen nicht alle gleich aussehen, egal welchen Alters.

  3. Ich mags ja lieber hüftig, aber die Bundlösung mit den Taschen gefallt mir sehr gut.

    Liebe Grüße von Katrin, die gerade mit mehreren Metern Stoff kämpft

  4. schon länger schleiche ich um die japanischen Bücher drumrum, bin allerdings nur klein, nicht so ganz arg zierlich und wenn ich die fotografierten grazilen jungen Frauen sehe – mit nach außen gedrehten Füßen, da habe ich eben noch mal recherchiert – dann fürchte ich wird es als nächstes ein Diät-Buch sein was ich mir anschaffe!
    Aber danach dann …
    lieben Gruß, Friederike

  5. Aber der ist doch gut geworden (etwas Posieren gehört doch dazu, ich kann auch ganz anders dastehen). Dass der Rock sowohl bei Cathérine als auch jetzt bei dir viel glockiger aussieht, ist mir auch aufgefallen, und darüber bin ich eher enttäuscht, ich hätte meinen nämlich gerne etwas glockiger. Falls ich den Schnitt nochmal nähe, gebe ich nach unten hin etwas mehr dazu. Ein etwas trichterförmiges Rockbündchen habe ich auch – da habe ich zunächst ziemlich gestutzt und das Bündchenteil mehrmals überprüft. Da aber die konkave Seite des Bündchens genau an die obere Rockkante passt, denke ich, das gehört wirklich so. Beim Probetragen (ich hatte ihn außerhalb der Wohnung auch noch nicht an) ist mir aber aufgefallen, dass das ein ganz cleveres Detail ist: Die Naht zwischen Bündchen und Rock sitzt auf dem Hüftknochen, und da der Bund nach oben wieder etwas weiter wird, engt er nicht ein.
    Für mich liegt der Reiz der Bücher auch ganz eindeutig in der Aufmachung und bei der Kleidung in den schön subtilen Kombinationen von Stoffen – da kann man sich ja auch einiges abschauen. Die Schnitte habe ich entweder schon ganz ähnlich in der Burdasammlung, oder es ist etwas, das ich sowieso nie anziehen würde…

    viele Grüße! Lucy

    • Ach ja, und das, was uns so kindlich vorkommt, hängt wohl mit dem grundlegend anderen Körperbild in Japan zusammen. Ich kenne mich da nicht sehr gut aus, aber grundsätzlich ist wohl ein weiblicher Körper ohne Rundungen das Ideal. Traditionelle Kimonos sind ja auch so geschnitten, dass eine gerade Körperform ohne sichtbare Brust oder Hüfte bzw. eher ohne sichtbare Taille entsteht. Die Kleider in den Nähbüchern erzeugen im großen und ganzen auch so eine Silhouette (und auch japanische Modeschöpfer – Kawakubo, Comme des garcons, Yamamoto). Also kulturell bedingt eine ganz andere kollektive Vorstellung davon, wie ein attraktiver weiblicher Körper auszusehen hat.

      • Diese Frage will ich auch noch mal erforschen. Die – ziemlich eingedeutschten – Japanerinnen, die ich kenne, sind da nicht so analysefreudig.

  6. Du schreibst so lustig! Ich werde mal meine beiden Japanbücher auf Fußpostionen abchecken… und der Rock sieht doch gut aus! Uns fehlt nur allen die Sonne. Aber das wird bestimmt auch noch. (Hoffe ich.)
    glg
    claudia

  7. Ganz klar ist hier rausgearbeitet: Rockschnitt hängt mit Fußposition und Schuhwerk zusammen. Toll, dass ihr euch durch so schwere Nähanleitungen durchbeißt. Prima ist dann dieser erfrischend rosa Sommerrock geworden. Wie wärs dann mal wieder mit unsrer Aenne-Burda?
    Ich bin sehr erheitert in diesen Freitag gestartet. liebe Grüße Carmen

  8. Köstlich! Habe mich gerade sehr amüsiert! Wir haben uns ja schon ein bisschen übers Thema ausgetauscht!
    Es ist schon spannend, was die Japaner da machen – v.a. wenn sie es „westlich“ gestalten möchten.

    Lucys Statement kann ich übrigens voll und ganz unterschreiben!!:
    „Für mich liegt der Reiz der Bücher auch ganz eindeutig in der Aufmachung und bei der Kleidung in den schön subtilen Kombinationen von Stoffen – da kann man sich ja auch einiges abschauen. Die Schnitte habe ich entweder schon ganz ähnlich in der Burdasammlung, oder es ist etwas, das ich sowieso nie anziehen würde…“

    Und wichtig ist wie immer schließlich die Inspiration, die man aus etwas zieht. Ich blättere in den japanischen Büchern so gerne, weil ich die Fotos schön finde und auch die Stoffkombis oft. Augen- und Seelenschmeichler.

    Dein Rock ist schön und ich könnte nicht sagen, ob er letzlich aus einer Burda oder einem japanischen Heft stammt!

    liebe Grüße von Ellen

  9. Hi Suschna,
    eben habe ich bei Floh total gelacht über ihre Fußspitzen-Replik, da hatte ich die Photos bei dir noch nicht gesehen. Vielleicht eine Selbstironie im Buch? :-)

    Bei Lucy hatte ich bereits gefragt, ob sie sich den Rock in Gr. 42 vorstellen könne, weil ich passenden Stoff hier liegen habe. Obwohl, Taille 42 ist eher noch geschmeichelt.
    Friederikes Kommentar finde ich so köstlich!

    Ach, wer weiß, vielleicht bastel ich mir nur solche bequemen Taschen auf irgendeinen vorhandenen Rockschnitt. Röcke habe ich seit Jahrzehnten nicht mehr genäht, mal schauen, wann und ob es stattfinden wird.

    Herzlich
    Tally

  10. Pingback: Fundusnutzung I: Noch ein Japanrock « Suschna

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