Fernweh…

… hab ich nicht, aber ich darf trotzdem bei Ellens Kreativtag mitmachen.

Mein Fernweh ist mir vor mehr als 15 Jahren abhanden gekommen, in einer Absteige für Rucksackreisende in Singapur. Ich lag in einem gekachelten Raum auf einem Feldbett, über mir rotierte der Deckenventilator. Gerade aus Sumatra zurück wollte ich nur noch nach Hause, aber mein Billigflugticket konnte ich  nicht umbuchen.

Es war nicht nur die Tatsache, dass ich als alleinreisende junge Frau zu viele schlechte Erfahrungen gemacht hatte. Es war vor allem der extreme Kontrast zwischen Arm und Reich, mit dem ich nicht mehr klar kam. Die Mengen kleiner Kinder, die aus Verschlägen unter Plastikplanen hervorkamen, mich umringten, an meinen Turnschuhen nestelten, wenn ich aus dem Bus stieg. Der Angestellte im Flughafen von Padang, Sumatra, mit dem ich mich vor dem Abflug unterhielt, verdiente im Jahr so viel wie mein Hotelzimmer auf der Insel gekostet hatte. Die Hotels, Restaurants, Busunternehmen, Souvenirbuden gehörten den wenigen reichen Familien auf der Insel, so dass mein Geld gar nicht denen  zugute kam,  die dort für einen Hungerlohn arbeiteten.

Einen Indonesier aber lernte ich auf Sumatra kennen, dem gehörte sein kleiner Verkaufsstand für Kunsthandwerk selbst. Er war zur Schule gegangen, hatte sogar Englisch gelernt. Seine Ausbildung verdankte er der Patenschaft eines deutschen Ehepaares, das ihn von Kindheit an finanziell unterstützt hatte. Mir wurde klar, dass nur die Ausbildung der Menschen ihre Lage verbessern konnte.

Sobald ich dann später mein eigenes Geld verdiente, übernahm ich auch Patenschaften, und zwar bei der Patenorganisation ChildFund .

Hier kommt nun der Kreativtag ins Spiel: Ich möchte mit ein paar meiner Nähsachen ChildFund, die einen schönen Spendenshop im Internet eingerichtet haben, unterstützen.

Dabei könnt ihr helfen: Wenn euch eins der Täschchen gefällt, könnt ihr mir eine Email schicken und sagen, wie viel ihr dafür im Spendenshop von Child Fund ausgeben würdet.  Sollten mehrere Gebote für eine Tasche eingehen, bekommt das höchste Gebot den Zuschlag.  Die Tasche wird versandt, nachdem der/die Meistbietende im Spendenshop eingekauft hat. Die Portokosten übernehme ich.

Mindestgebot je Tasche: 10 Euro  (Im Spendenshop z.B.  1 Sack Zement oder 2x Bücher für Bibliotheken oder 2 Bäume).

Ende der Aktion: Sonntag, der 16. Mai, Mitternacht. Bis dahin könnte ihr euer schriftliches Gebot abgeben. 

Email:  Titou <ät> t-online.de       (Weitere Einzelheiten können auch per Email geklärt werden).

Hier könnt ihr euch die Taschen genau ansehen.

Mein Billigflugticket konnte ich dann damals doch noch umbuchen.  Ein Tränenausbruch am Schalter von Singapur Airlines half.  Das Fernweh ist seitdem weg, aber ich beneide alle, die es noch haben!

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13 Kommentare

  1. Ja, manchmal beneide ich die auch, die Fernweh haben, ich hatte dieses Gefühl noch nie.
    Aber wie du ja schreibst, ist es dem Grossteil der Weltbevölkerung gar nicht möglich dieses Luxusgefühl auszuleben, weil es schlicht ums blanke Überleben geht. Von daher ist es vielleicht nicht schlimm, wenn man dieses Gefühl nicht hat, auch wenn ich wohl möglich viel verpasse dadurch.
    Schönen Idee, die du da hast.
    Liebe Grüsse, Allerleirauh

  2. So einen Hinweis wie gut es uns eigentlich geht brauchen wir häufiger. Im Zusammenhang mit dem Muttertag und meine Gedanken darüber, meine gestrigen Zeit in der Kinderrettungsstelle und Deinem Beitrag heute bringt mich mit meinen doch eher kleinen Sorgen und Nöten wieder zurück auf den Boden der Tatsachen. Danke!

  3. Was für eine tolle Idee!
    Ich lasse deinen Post auf und lese morgen noch mal in Ruhe nach. Jetzt bin ich vom vielen Schauen zu müde…

    Ganz liebe Grüße

  4. Ja, deine Gedanken sind richtig.
    Schlimm ist es, wenn die Touristen dann noch protzig, unsensibel und unachtsam durch die ärmeren Länder trampeln.
    Ach, mir geht immer viel durch den Kopf, was meine Reisen betrifft, aber ich hoffe, möglichst viel richtig zu machen. Andererseits geht mir viel durch den Kopf über das, was ich beobachte. Wobei es sehr von der Art des Reisens abhängt, was überhaupt mitgekriegt wird.

    Deine Aktion ist gut. Danke.
    Tally

    • Liebe Tally, ich habe seitdem auch so viel über dieses Thema nachgedacht. Es gibt keine einfachen Lösungen, es ist im Gegenteil furchtbar kompliziert. Wenn ich gar nicht mehr in Länder mit großem Wohlstandsgefälle fahre, mache ich ja auch nichts besser. Und vor Ort muss man die Gegebenheiten akzeptieren, als Gutmensch bringt man nur alles durcheinander. Reisen, wenn es mit Neugier und Sensibilität geschieht, ist für das Verständnis der Welt so wichtig. In diesem Sinne wünsche ich uns noch viele schöne Reisen – egal, wohin.

  5. Was du beschreibst, beschäftigt mich auch immer wieder sehr.
    Das Fernweh ist mir dabei zwar nicht abhanden gekommen, es hat sich aber nachhaltig verändert. Wohin ich reise, wie ich mich dort bewege und verhalte (und wie auf gar keinen Fall), was mir dabei wichtig ist – auch im Kopf ist eine ganze Menge Gepäck dabei. Im Vordergrund steht immer der Versuch ein Land nicht zu „konsumieren“ sondern mit seinen Eigenheiten und Menschen zu entdecken. Nicht immer gelingt das, nicht immer ist der letztlich eingeschlagene Weg der beste. Auch ich bin schon vor Zuständen geflohen, mit denen ich nicht umgehen konnte.
    Auf der anderen Seite finde ich,dass das Reisen die Augen öffnet. Nicht nur für die bereiste Welt, sondern vor allem auch für unser eigenes Leben. Für all das, was wir als selbstverständlich hinnehmen, obwohl es das nicht ist. Der Wert dieses alltäglichen steigt. Es bleibt Raum für die Nöte anderer, weil die eigenen doch so klein und nichtig sind.
    Manchem genügt sicher eine Reise für diese Erkenntnis, für andere ist es ein Prozess. Manchem würde ich diese eine Reise allerdings dringend wünschen.
    Danke für den Denkanstoß und Danke für deine Aktion (ein weiteres unendliches Feld – welche Hilfe ist die richtige?).
    Liebe Grüße,
    Malou

    • Ja genau, welche Hilfe (wenn überhaut) ist die richtige? Kann mir keiner sagen. Ich habe mir die aufgrund meiner Erfahrungen naheliegendste ausgesucht.
      Und es stimmt, „diese eine Reise“ sollte jeder einmal gemacht haben.

  6. Bei mir ist erdbeerfarbener Stoff ins Haus geflattert – war der nicht von dir? Und gibt es daraus einen Rock? :-)
    Erst bei deinen Beschreibungen ist mir klar geworden, dass ich kaum Fernweh habe. Ich bin am liebsten bei meinen Lieben. Und ich fliege nicht gerne. Ich glaube ich hab ganz schön viel Fernweh durch zwei Jahre im Ausland abgearbeitet, das waren aber schönere Erfahrungen als die, die du schilderst. Davon hätte ich mich wohl auch nicht so schnell erholt. Ich verstehe auch die Leute nicht, die billig zum All Inclusive z.B. in die Dominicanische Republik fliegen und dann aus Angst vor der Armut der anderen ihr Ressort nicht verlassen.
    LG Catherine

  7. Das hat mich nun ins Nachdenken gebracht übers Reisen und sinnvolle Spuren hinterlassen. Die Idee mit deinen Täschchen ist prima und die Verwandlung von schon 10 Euro in einen Sack Zement oder 2 Bäume ist mir Frisch-Renovierten und Umzüglerin ein reale Vorstellung.
    Aber ich möchte auch noch weiteres zum Thema : Wenn Reisen, dann richtig angezogen–, zufügen weil ich im „Goldnen Schnitt“ ein Zuschneide-Lehrwerk von 1952 eine ulkige Beschreibung fand, die ich den Nähwilligen nicht vorenthalten möchte.
    Also Zitat: …es gibt ja nun wieder entzückende geschmackvolle Stoffe…schneidern Sie selber…
    Wen die Ferien auf das Land oder in die Berge führen, der sucht sich die Dirndl-, und Trachtenkleider aus und trägt dazu ein passendes Trachtenhütchen. Auf der Reise selbst wird ein karierter Reisemantel vorgeschlagen mit Pelerine oder ein schlichtes Reisesportkostüm mit heller Bluse. Auch hier ist das modische Beiwerk nicht unwichtig, denn gerade die passende Reisetasche, ein Schirmchen sowie Hut und Handschuhe ergeben die modische Reisekleidung. Der sportliche Wildlederschuh mit Kreppsohle lässt die unternehmungslustige Reisende beim Tragen und längerem Gehen nicht ermüden.—
    mit schlichtem modischen Gruß Carmen

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