Experiment

Experiment Nähmanufaktur –  jemand hatte die Idee, meine Sachen auf einem Markt verkaufen, und ich war einverstanden, es einmal zu probieren.  Vor allem reizte mich die Klärung der Frage „Lohnt sind das?“ im Sinne von „Lohnt sich das finanziell?“.

Nun, nach nächtelangem Zusammenstellen, Zuschneiden, Nähen, Bügeln, Vernähen, Auftrennen, Besticken, Stopfen, Abbinden, immer die Materialkosten und den Zeitaufwand im Blick,  hat sich die Frage schon geklärt, bevor der Verkaufsstand überhaupt eröffnet ist: Es lohnt sich nicht, gar nicht, überhaupt nicht.  Es sei denn, jemand ist bereit, für eine einfache Stofftasche 100 Euro zu bezahlen oder für ein Nadelkissen 20 Euro. Das wird nicht so sein, wie eine Marktanalyse auf Ebay, Dawanda und Etsy schnell klärt. Nein, bei Ebay bekommt man selbstgehäkelte Nadelkissen schon für einen Euro. Am Ende wird es also nur darum gehen, sich sein Hobby zu finanzieren. Und für die Massenproduktion muß man auch geschaffen sein. Mein Versuch einer Fließbandarbeit ergab nur den Nachteil, daß ein falsch herum eingenähtes Futter dann gleich massenhaft falsch herum eingenäht war. Außerdem habe ich ständig neue Ideen, was man noch abwandeln oder probieren könnte und verzettle mich dann. So war die Deadline schon eine gute Sache, um mich zum Vollenden von Dingen zu bringen. Das Repertoire war das Übliche:

Kosmetiktaschen und Tatütas

Stoffbeutel mit Bügelperlenmotiv aus der Produktion meiner Tochter, hier und  hier schon einmal erwähnt.  (Wegen der Massenproduktionsidee hatte ich ihr für  jedes fertige Motiv 50 Cent geboten. Nach dem ersten Legen sagte sie: „Ach, wenn es für Geld ist, macht das keinen Spaß!“). Die Taschen lassen sich übrigens tadellos waschen, die Perlen müssen nur gut verschmolzen sein. 

Andere Stofftaschen, große und kleine.

Ganz gut war, daß ich wegen des Zeitdrucks und schlechter Planung etwas in Not geriet, der ich neue Erfindungen zu verdanken habe: Die Vlieseline war ausgegangen, da griff ich stattdessen zu meiner Malleinwand, die schön fest ist und gleichzeitig als Futter dienen kann. (Auf dem Foto unter dem Bügeleisen). Sie ist nur viel schwerer als Vlieseline. Das Fixieren auf dem Stoff mit Haarspray (z.B. für Tatütas) hat übrigens nicht geklappt. Beim Quilten soll man Haarspray ja als Ersatz für Sprühkleber nehmen können, bei solch festen Stoffen hält das aber wohl nicht. (Oder mein Haarspray war zu schwach). 

Als das Bügeleisen plötzlich nicht mehr dampfen wollte, fiel mir die alte Technik meiner Mutter aus der Zeit vor den Dampfbügeleisen ein: Ein Marmeladenglas mit Wasser füllen, oben in den Deckel ein paar Löcher stechen, fertig ist das Befeuchtungsgerät, Kindheitserinnerungen an die heimelige Bügelatmosphäre inklusive.

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Weil ich finde, daß Nadelkissen mit einer hübschen Stecknadel darin besser aussehen, ich aber keine Glaskopfstecknadeln mehr hatte, klebte ich kleine Perlen auf Stecknadeln: Einfach den Stecknadelkopf in Sekundenkleber tunken, Perle hochschieben, hält. Eine schöne Alternative sind ja auch Stecknadelköpfe aus Schrumpffolie, wie hier zum Beispiel erklärt. (Eine Alternative für Schrumpffolie hat Frau Liebe mal gezeigt).

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Ist es eigentlich legitim, Stecknadelköpfe zu basteln? Vielleicht sollte ich mich von der Nähmanufaktur etwas erholen. Auf das Verkaufsergebnis bin ich natürlich trotz allem gespannt. Auch wenn es sich finanziell nicht lohnt, bleibt doch die Anerkennung durch den Käufer und die Freude daran, daß andere die eigenen Werke besitzen und nutzen möchten. 

4 Kommentare

  1. Deine Gedanken zu dem Verkaufsexperiment bestätigen mir, was ich so in etwa geahnt hatte. Wenn ich ab und zu bei dawanda und verwandten Portalen stöbere, bin ich häufig entsetzt, welche niedrigen Preise zum großen Teil angesetzt werden, die manchmal höchstens die Materialkosten decken können (allerdings auch, wie viel schlecht Kopiertes und schlecht Verarbeitetes man zum Teil dort findet). Und ob der ideelle Gedanke (Anerkennung und Freude) so lange trägt? Du hast ja jetzt für dich einen gewissen Nutzen aus dem Experiment gezogen – Fließbandfertigung ausprobiert, neue Lösungen gefunden -, insofern auf jeden Fall profitiert, aber bei Leuten, die das auf die Dauer machen, kann ich mir so gar nicht vorstellen, dass das wirklich noch Spaß macht.
    Übrigens fiele es mir sehr schwer, mich von wirklich schönen Sachen zu trennen, und noch umso mehr, wenn sie nicht mal angemessen bezahlt würden. Die weiß-orange Stofftasche mit den großen Blumen zum Beispiel könnte ich höchstens an eine sehr liebe Person verschenken, wahrscheinlich müsste ich sie aber behalten. Ich glaube der Satz deiner Tochter könnte von mir sein.

    viele grüße, Lucy

  2. Liebe Lucy, da bin ich aber froh, Deinen Geschmack getroffen zu haben. Falls die Tauschwirtschaft kommt… könnten wir also schon mal loslegen.

  3. Man da hast du ja echt geschufftet ;) Sind aber wirklich schön geworden deine Sachen! Besonders gut gefallen mir die Beutel mit dem Perlenmotiv (und die gehen wirklich nicht ab beim Waschen?! – Waschmaschine oder per Hand?) Ich wünsche dir viel Erfolg beim Verkaufsevent.
    LG (unbekannterweise) Sylvia

    • Sylvia, Danke! Die Perlen haben bei uns bisher die Waschmaschine gut überstanden. Sie sind aber auch sehr verschmolzen, so daß es sich eher um eine Kunststoffplatte handelt.

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